Veitshöchheimer Mittelschüler haben ein Herz für kranke Kinder in Tansania - Spende von 837 Euro übergeben an Ex-Missionar Thomas Morus

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Besuch von Bruder Thomas Morus von der Abtei Münsterschwarzach erhielt am Donnerstag-Mittag die Mittelschule Veitshöchheim. Er holte bei dieser Gelegenheit zur Weiterleitung an das Kinder-Hospital in Peramiho in Tansania den Erlös ab, den die beiden Klassen bei der Weihnachtsmarkt-Aktion der Mittelschule und anschließend beim Elternsprechtag der Schule erzielt haben.

Im Bild übergibt der Achtklässler Jannik Brandes die stolze Summe von 837 Euro in Anwesenheit von Mitschülern, Schulleiter Otto Eisner (2.v.r.), Klassenlehrer Björn Arnold (3.v.r.), Hauswirtschaftsfachlehrerin Monika Bandorf-Hanft (3.v.l.) und LAA Tanja Saalmüller (5. v.l.).
Am ersten Advents-Wochenende hatten bei der Altortweihnacht die Klassen M 8 a und 8 b in ihrer Hütte uneigennützig zugunsten der Kinderstation des Peramiho-Hospitals der Missionsbenediktiner in Tansania dank großzügiger Spenden 800 Tombola-Lose sowie seit Mitte Oktober für den Weihnachtsmarkt von ihnen kreierte Sachen verkauft. Es waren dies Delikates aus der Schulküche im Fach Soziales wie Plätzchen und Lebkuchen, im Fach Technik selbst gebastelte Holzarbeiten wie Hundenapf-Boxen oder Schlüsselanhänger sowie im Fach Wirtschaft gebastelte bedruckte Turnbeutel oder Tablet-Hüllen.
Die beiden achten Klassen hatten zur Vorbereitung der Weihnachtsmarkt-Aktion im September 2018 die Abtei in Münsterschwarzach besucht und waren, wie Fachlehrerin Monika Bandorf-Hanft berichtet, sehr beeindruckt, was dort die Mönche an Einrichtungen wie Landwirtsschaft, Werkstätten, Gästehaus mit 170 Betten und das Egbert-Gymnasium betreiben und laut Bruder Morus es ähnliche Einrichtungen auch in Peramiho gibt, zusätzlich noch ein Hospital.

Nun war es bereits die fünfte Spendenaktion der Mittelschule für Peramiho. Auslöser war der ehemalige Schülersprecher Jakob Engel, der 2014 in dem dortigen Kinderhospital-Station ein Freiwilliges Soziales Jahr verbrachte.

Der 65jährige Bruder Thomas Morus brachte den Schülern nach der Übergabe dann noch einmal nahe, wie dieses Geld in der Kinderstation des Peramiho-Hospitals der Missionsbenediktiner in Tansania eingesetzt wird. Er kennt dort die Verhältnisse sehr genau, war er doch 18 Jahre lang bis 2001 als Missionar in der 1898 von Pater Cassian Spiß aus dem Orden der Missionsbenediktiner von St. Ottilen gegründeten Abtei Peramiho in Tansania tätig.
Ein großes Problem seien dort in der Regenzeit die durch Moskitos übertragene Malaria. Er selber habe sieben Malaria-Erkrankungen durchgemacht, was kein Zuckerschlucken gewesen sei. Die erkrankten Kinder seien mit ihren Müttern häufig bis zu 200 Kilometern zu Fuß durch den Busch unterwegs, bis sie ins Hospital gelangen. Viele würden unterwegs sterben, wenn sie sich zu spät auf den Weg gemacht hatten. Das Hospital gehe deshalb in die Dörfer, um die Menschen aufzuklären. Vor allem bei der Behandlung von kleinen Kindern müssten die Mütter mit auf die Station. Die Spende der Schüler trage zur Finanzierung solcher Aufenthalte bei.

Weiter sind neben der Malaria Verletzungen der Knochen in den Ländern Afrikas ein zunehmendes Problem. Schlechte Arbeitsbedingungen, Mangelernährung und die wachsende Motorisierung verursachen zunehmend Knochenbrüche. Im Krankenhaus Peramiho werden mehr als 2.000 Patienten im Jahr deswegen behandelt. Es ist eines der wenigen Krankenhäuser in Tansania, das komplizierte Brüche operieren kann. Nur so kann verhindert werden, dass junge Menschen eine dauerhafte Behinderung erleiden. Die Kosten für die Operation können die meisten Patienten allerdings nicht tragen, obwohl eine Behandlung nur 40 Euro im Schnitt kostet.

Nach den Worten des Paters gehört Tansania nämlich zu den zehn ärmsten Ländern der Erde. 80 Prozent der Bevölkerung arbeite in der Landwirtschaft und die Hälfte der Bevölkerung sei unter 17 Jahre alt. Das bringe große Herausforderungen für das Land im medizinischen und Bildungsbereich mit sich. Zwar würden alle Kinder die Primarschule besuchen. Sie hätten dann ein unheimlich starkes Interesse, anschließend auf eine Sekundarschule zu gehen. Allerdings könnten sie das nur, wenn die Eltern das Schulgeld dafür aufbringen können. So mancher Landwirt würde dafür seine Kühe verkaufen, damit eines seiner Kinder diese Chance ergreifen kann. Nach der Schulzeit hätten junge Menschen generell wenige Chancen, auf dem Lande Arbeit zu finden. Viele Menschen würden dann in die Städte abwandern.

Für die Fachlehrerin Bandorf-Hanft ist die Spendenaktion der Mittelschule ein Beitrag zur Migration, wenn dort beispielsweise Jugendliche durch Gesunderhaltung und Ausbildung einen besseren Start ins Leben haben und dies dann auch zu weniger Flüchtlinge führt.

Wie Recherchen ergaben, besteht der Orden des hl. Benedikt († 547 in Monte Cassino) aus 21 Kongregationen, die sich in Formen der Spiritualität und in ihren Tätigkeitsbereichen unterscheiden. Die Abtei Münsterschwarzach gehört zur „Benediktinerkongregation von St. Ottilien“, die 1884 mit dem Hauptziel der Mission gegründet wurde.

In der Abtei Peramiho unterhalten 60 Mitbrüder eine Pfarrei mit zwölf Außenstationen und 30.000 Katholiken, eine Handwerksschule für verschiedene Ausbildungen im Handwerk wie Mechaniker, Elektriker, Schneider, Schreiner, Installateur, Drucker und Computer und ein Krankenhaus mit über 300 Betten und zwei Lepra-Siedlungen. Zur Abtei gehören weiter eine Druckerei, ein Verlag für religiöse Bücher, Periodika und Kalender, ein Bildungs- und Tagungshaus, eine Farm mit 500 Rindern, 180 Schweinen und einer großen Landwirtschaft sowie 20 andere Betriebe wie Goldschmiede, Getreidemühle, Bauhof, Schreinerei, Autogarage usw. Insgesamt haben dort etwa 600 Menschen eine feste Arbeitsstelle.

Seit August 2006 bis Juni 2017 war Pater Anastasius Reiser aus der Abtei Münsterschwarzach der vierte Abt in Peramiho, das Ur-Kloster der Kongregation in Ostafrika, aus dem eine ganze Kirchenprovinz mit sechs Diözesen und zahlreiche Klöster in Tansania, Kenia, Uganda und Sambia hervorgegangen sind. Mit P. Sylvanus Kessy überdann im Juni 2017 dann erstmals ein afrikanischer Oberer die Abtei.

 

Bilder und Artikel: Dieter Gürz