Achte Klasse des Gymnasiums und Übergangsklasse der Mittelschule erstellten interkulturell Stop-Motion-Videos zum Thema Flucht

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Seit Anfang April führt Maria Seyferth-Zapf vom Lehrstuhl für Schulpädagogik der Uni Würzburg (Lehrstuhlinhaberin: Prof.’in Dr. Silke Grafe) in einer achten Klasse des Gymnasiums Veitshöchheim als Teil ihres Dissertationsprojekts ein interkulturelles Unterrichtsprojekt zum Thema „Flucht“ fächerübergreifend in Deutsch und Geographie durch, wobei verschiedene digitale Medienangebote zum Einsatz kommen.


Am Ende des Projekts trafen sich heute die 20 Schüler der 8 b des Gymnasiums mit den zwölf Schülern aus der Übergangsklasse der Mittelschule Veitshöchheim der Lehrerin Katharina Bartsch, um gemeinsam sogenannte Stop-Motion-Videos, das sind Trickfilme bzw. eine Art digitales Daumenkino, zum Thema „interkulturelle Konfliktsituationen“ zu erstellen.
Nach einer Unterrichtsstunde zum gegenseitigen Kennenlernen, wurden die insgeamt 32 jungen Leute in sechs Gruppen aufgeteilt. Mit Hilfe der App "Stop-Motion-Studio" erstellte dann in zwei weiteren Unterrichtsstunden jede Gruppe auf einem ipad einen Video-Kurzfilm.Ein Computer war nicht erforderlich. Die Stop-Motion-App war mit dem Bild für Bild-Editor einfach zu bedienen, verblüffend leistungsfähig und für alle ein Riesenspaß. Die Schüler konnten die von ihnen gezeichneten Objekte, Bilder und Musik oder Soundeffekte an jeder Position einfügen und dank der Gitterfunktion genau positionieren.
Dann war die Stunde gekommen, wo alle gespannt auf die Vorführung der einzelnen Videos waren, welche Konfliktsituationen zwischen Deutschen und Flüchtlingen und deren Lösung sich die jeweilige Gruppe ausgedacht hatte.
Die erste Gruppe schilderte, wie Günter seinen islamischen Mitschüler Mohamed zu seiner Geburtstagsfeier eingeladen hatte, wo es Schweineschnitzel gab. Die Problemlösung: Anstelle vom Schwein gab es Schnitzel vom Kalb.
Bei der zweiten Gruppe tuschelten zwei deutsche Mädchen über ihre neue fremdartige Mitschülern: Ist sie Muslime? Kann sie deutsch? Ist sie geflüchtet? Die neue Mitschülerin ging auf die Beiden zu und beantwortete zur Konfliktlösung gerne ihre Fragen.
Die dritte Gruppe wählte das Thema "Bombenstimmung in Berlin", wo Fußgänger sich ängstlich fragen, ob der Mann da an der Ecke ein Selbstmordattentäter mit einer Sprengladung am Körper ist. Sie suchen das Gespräch mit ihm und erfahren erleichtert, dass er nur eine dicke Jacke anhat.
Bei der vierten Gruppe wurde ein Gespräch über Mütter entschärft, in dem sich die deutsche Schülerin dafür entschuldigte, dass sie nicht wusste, dass die Mutter ihrer neuen Mitschülerin noch in einem anderen Land lebt. Dafür belohnte sie Allah mit einem Geschenk, das vom Himmel fiel.
Bei der fünften Gruppe lästerten zwei deutsche Schülerinnen an der Bushaltestelle über zwei ausländische Mädchen, in der Annahme, dass diese kein deutsch verstehen. Diese fanden das nicht so toll, suchten jedoch das Gespräch und so wurden die vier Freunde.
Bei der sechsten Gruppe wurde ein Mitschüler noch ausgelacht, dass er kein deutsch konnte. Doch nach sechs Monaten war dieser soweit, dass er seinen Auslacher in deutsch belehren konnte.

 

Fazit

"Ich bin echt baff, was ihr in kurzer Zeit geschafft hab. Das war ja richtig cool!“, lobte Maria Seyferth-Zapf am Ende die Schüler.
Im Feedback stellte sich heraus, dass ein Großteil der Schülerinnen und Schüler gerne länger Zeit für die Videoproduktion gehabt hätte, da sie dabei viel Spaß hatten. Die meisten würden bei so einer Veranstaltung sofort wieder mitmachen.
Seyferth-Zapf: "Generell ging es bei dem Projekt nicht darum, technisch hoch aufwendige Stop-Motion-Videos zu produzieren, sondern es sollten zugunsten eines gemeinsamen Ziels (= Stop-Motion-Videos) Berührungsängste und Vorurteile abgebaut werden."
Dies sei hervorragend gelungen. Eine medienpädagogische Akzentsetzung des Projekts leiste somit einen wesentlichen Beitrag zum interkulturellen Lernen und zur Förderung interkultureller Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern.